Baukomplex aus drei Gebäuden. Kernbau ist ein dem südwestlichen Eckturm der Stadtmauer aufgestockter Freisitz; erbaut um 1310 (Dendrochronologische Datierung:1210-95). 1407 der Stadt Arbon vom Bischof von Konstanz geschenkt wegen des erlittenen Ungemachs in den Appenzellerkriegen. Im 15. Jahrhundert Sitz der Familie Entgasser (Lehensnehmer); deren 1466 datiertes Wappen erneuert an der Ostflanke. Umbau 1572 unter den Blarer von Wartensee; 1640 von der Stadt übernommen. 1791 wurde der über starker Hohlkehle vorkragende Fachwerkaufbau mit Mansardwalmdach und Glockentürmchen aufgesetzt durch Weinrath aus Feldkirch (Plan im Ortsmuseum). 1793-1941 Sitz der Stadtregierung und Bezirksgericht. Anschliessend Kantonspolizei. Renovation 1929 durch Architekt Oscar Linner. 26.03.1994 verheerender Dachstockbrand; Rekonstruktion des Mansarddaches mit Kuppeltürmchen. Restauriert 1976-77 (Aussenrestaurierung) und 1994-95 (nach Brand) mit Beiträgen des Amtes für Denkmalpflege.
Der mittelalterliche Kernbau ist der nahezu quadratische, dreigeschossige Unterbau aus verputztem Feldsteinmauerwerk; aufgemalte Eckquaderung, Zwillingsfenster mit gotischer Gewändeprofilierung. Stadtwappen an der Südseite, nach Vorlage des Stadtsiegels von 1384. Eingangsportal an der Ostseite mit zweiarmiger Treppenanlage; Türgewände frühes 18. Jh. Turmglocke aus der ehemaligen Spitalkapelle (auf dem nachmaligen Saurer Areal I). Stube mit spätgotischer Balkendecke und ehemals mit Renaissance-Turmofen (nun im Historischen Museum Frauenfeld); Teile einer weiteren gewölbten Decke. - Der nordseitige, gleichfluchtige Anbau (Pfisterei/Bäckerei) wird 1566 erstmals im Lehensvertrag erwähnt; 1908-41 Sitz der Gemeindeverwaltung. Als drittes Gebäude wird 1736 die katholische Schule an den Rathauskomplex angefügt (siehe Rathausgasse 3). - Erstrangiges Baudenkmal; als Eckturm der Stadtbefestigung und als Gebäudekomplex von höchstem kulturhistorischem Wert. Umgebungsschmuck: Eisenplastik 1994 von Toni Calzaferri.
Dokumentation: Brandkataster Staatsarchiv TG. - Arbon. Hinweisinventar alter Bauten und Ortsbilder im Kanton Thurgau. Hg. Amt für Denkmalpflege (Kartei im Amt für Denkmalpflege mit zusätzlichen Fotos). Frauenfeld 1989. - Das Bürgerhaus der Schweiz. XIX. Bd: Thurgau. Zürich 1928. S. XXXV u. Taf. 48. - Geisser, Hans. Geschichten erzählen Geschichte. Ein Streifzug durch Arbons Vergangenheit. Arbon 2005. S. 84, 118, 247. - Kulturschätze im Thurgau entdecken und erleben. Bearbeitet von Cornelia Stäheli. Fotos von Rolf A. Stähli. Frauenfeld 2003, S. 36/37. - Amt für Denkmalpflege, Kunstdenkmäler-Archiv, Budget-Berichte 1979, S. 10ff., 2000, S. 19ff. - Dendrochronologischer Bericht vom 20.06.1995. Büro für Archäologie der Stadt Zürich, Dendrolabor. - Larese, Dino. Thurgauer Jahrbuch 1951. Hg. Druck und Verlag Huber & Co. AG. Frauenfeld. S. 6-7. - Graf, Hans Joerg. Arbon. Bodensee. Verkehrsverein Arbon am Bodensee. Arbon 1991, S. 61. - Ortsgeschichtlicher Begleiter durch Arbon. Museumsgesellschaft Arbon / Ortsgemeinde Arbon / Verkehrsverein Arbon (Hg.). Arbon 1956, S. 13. - Rodel, E. Arbon. Stadt der Arbeit. Genossenschafts-Druckerei. Arbon 1945, S. 6. - Rodel, E. Arbon. Stadt der Arbeit. Genossenschafts-Druckerei. Arbon 1945, S. 15. - Arbon am Bodensee. Schweiz. Verkehrsbureau der Stadt St. Gallen. Buchdruckerei Hensenberger. Arbon 1928, S. 7.
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