Hinweisinventar Bauten

Daten Amtliche Vermessung
Gemeinde Bischofszell
Ortsgemeinde 1970 Bischofszell
Siedlung Bischofszell
Flurnamengebiet Altstadt
Namenbuch Spitool, Altstadt, Hirscheplatz, Schloss, Roosestogg, Räbstogg, Giil, Helzerhuus, Gruebplatz, Hoofplatz, Pelikaan, Bischofzäll, Verloores Loch
Strasse Marktgasse 36
Assek-Nr. 13/0-0017
Parzelle 118
Schutzziele
Schutzziele Eigenwert: Zu erhalten und zu pflegen ist die Substanz des Gebäudes, das im Äusseren von herausragender und im Inneren von überragender kulturhistorischer Bedeutung ist. Substanziell zu erhalten sind im Äusseren die für den Gesamtbau charakteristischen Konstruktions- und Gestaltungselemente. Substanziell zu erhalten sind im Inneren die historischen Oberflächen und Ausstattungselemente in ihrer Materialität und Formensprache. Denkmalgerechte Anpassungen sind möglich. Schutzumfang: Die Detaillierung des Schutzumfangs ist anhand eines konkreten Bau- oder Veräusserungsvorhabens mit dem Amt für Denkmalpflege sowie der Gemeinde zu definieren. Situationswert/Umgebung: Zu erhalten und zu pflegen ist die ortsbauliche Situation mit ihrer charakteristischen Umgebung, in welcher das wertvolle Objekt wirkt und wahrgenommen wird.
Nutzungsplanung und ISOS
Nutzungsplanung Altstadtzone, Umgebungsschutzzone, ÖREB-Kulturobjekt
Ortsbildinventar nach ISOS Gebiet 1 (A-Gebiet), Einzelelement 1.0.4 (Einzelelement)
Daten Hinweisinventar und IDEGO
Koord. Ost 2735681 Koord. Nord 1261970
Heutige Nutzung Bürgerheim
Ursp. Nutzung
Gebäudename zum Bürgerheim, Bürgerhof
Schutzstatus Schutz rechtskräftig
Aktuelle Einstufung wertvoll, Erstes Inventar 2000
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Passfoto
Passfoto 13/0-0017

Dateiname: 93_260_33.jpg

Inventar- und Schutzeinträge (ohne Gewähr auf Vollständigkeit)
Instanz Verzeichnis Eintrag Datum
Gemeinde Schutzplan Natur- und Kulturobjekte 19.09.2022
Bund Kulturgüterinventar KGS B-Objekt 13.10.2021
Bund Schutzliste Bundesamt für Kultur (BAK) ö.-r. Anmerkung 21.11.2002
Baugeschichte, Beschreibung, Dokumentation
Ehemaliges Spital zum Heiligen Geist, das erstmals 1369 Erwähnung findet. Gemäss Knoepfli 1962, S.250ff., können drei Entstehungsetappen angenommen werden: Der ältere Nordwestteil muss einst freigestanden haben; die Nordwesthälfte des heutigen Hauptgebäudes dürfte nach 1419, der Südostteil desselben 1507-1510 (Datierung über dem Eingangsportal und an einer Fenstersäule) dazu gestossen sein. Erneuerung des Dachstuhles 1652; Renovationen 1635 und 1735; 1865 durch den Bischofszeller Architekten Carl Friedrich Braun erfolgte Umgestaltung zur heutigen Form.

Imposanter Baukomplex, der ein breitgelagertes dreigeschossiges Südosthaus (stehender Dachstuhl, an einem Sturz datiert 1652) mit getrepptem südöstlichem Giebelschild, und einen bescheideneren dreigeschossigen Nordwesttrakt (liegender Dachstuhl, zweigeschossig)mit jüngerer Walmdacherweiterung umfasst; südostseitig mit dem wesentlich firstniedrigeren Gebäude Marktgasse 34 zusammengebaut.

Südostteil:
Die achtachsige Gassenfront hat profilierte Ecklisenen und weist ein Gurtgesims über dem Erdgeschoss auf; dezentraler, eingetiefter Eingang mit doppelflügeliger Eichentüre, die von einem Scheibenfries überfangen wird; über dem Eingang eine rechteckige Sandsteinplatte mit Hauszeichen und der Jahrzahl 1507. Schlichte Fensterverdachungen im ersten Obergeschoss; Konsolgesims und plastische Rosettenzier an der schmalen Dachuntersicht.
Vierachsige nordwestliche Giebelflanke mit Seiteneingang. Schmucklose siebenachsige (die drei nordwestlichen Fensterachsen etwas abgesetzt) Grabenfassade, die über verstärktem und nur mit zwei Schlitzlichtern ausgestattetem Unterbau aufragt. Das Gebäudeinnere beherbergt im ersten Obergeschoss eine (nachträglich hierher versetzte) Fenstersäule mit der Jahrzahl 1510. Die Schildmauer des tonnenüberwölbten Nordostraumes zu ebener Erde trägt sechs aufgemalte Wappen und die Bezeichnung 'renov. / 1735'.

Dieser südöstliche Hausteil ist in seinem nordwestlichen Drittel unterkellert; auszumachen sind drei hintereinander gestaffelte Räume, die durch zweiflügelige Holztüren miteinander verbunden sind. Nordostkeller mit vorwiegend mittelalterlichem, lagigem Mauerwerk aus zum Teil grossen Bollensteinen; Zwischenwand zum mittleren Keller aus Mischmauerwerk (Backstein, Bruch- und Lesesteine). Schrägbodendecke; Bodenbelag aus Zementplatten auf Kiesbett; die Nordecke weist noch die alte Bodenrollierung aus kleinen Kieseln auf.
Ähnliches Mauerwerk und eine Schrägbodendecke besitzt der mittlere Keller. Die ursprüngliche Bodenrollierung ruht hier unter einem Kiesbett und einem Zementplattenbelag; daraus ergibt sich das etwas höhere Bodenniveau. In der Ostecke ein Aufgang mit neuer Holztreppe (Vorgängertreppe vermutlich am gleichen Ort). Der unterteilte Südwestkeller ist vollständig verputzt.

Nordwestteil:
Bedeutend zurückgestaffelte vierachsige Gassenfront mit seitenständigem, über Freitreppe erschlossenem Eingang; dreiteilige Holztüre mit Lichtgitter; grosszügiger Holzbalkon im ersten Obergeschoss. Verkleidete Dachuntersicht. Den gassenseitig durch den Gebäuderücksprung erhaltenen Vorplatz besetzt ein Brunnen mit kelchförmig geöffnetem Becken und quadratgrundrisslichem, kugelbekröntem Stock. Schmucklose fünfachsige Grabenfassade, die im hohen Unterbau lediglich durch zwei stehende Schlitzlichter und einen Gartenaustritt aufgebrochen wird.

Der nordwestliche Gebäudeteil ist vollumfänglich unterkellert. Der grosse, durch Tankeinbau in der Südecke unterteilte Raum birgt mittelalterliches Mauerwerk aus teilweise überdurchschnittlich grossen Bollensteinen (Durchmesser bis 50 cm); in der Nordostwand (Stadtmauer) sieben Kragsteine für den Streifbalken, und drei ursprüngliche,
teilweise zugemauerte Fensterscharten; sekundärer Türdurchbruch. Deckenbalken aus Eichenholz; in der Mitte des Raumes ein mächtiger, von Südosten nach Nordwesten verlaufender Unterzug mit drei gefasten Pfosten (wohl 18. Jh.) auf Massivsockeln; Sandboden. Auf der Südwestseite des Tankraumes der flachbogig überfangene ehemalige
Kellereingang; heutige Raumerschliessung von Südwesten her über neuere Holztreppe.

Bis zur Grabenstrasse sich erstreckende Wiesfläche mit Blumenbeeten und Ziersträuchern; moderne, hüfthohe Latteneinfriedung.

Die um 1760 entstandene Stadtvedute (getuschte Zeichnung, vermutlich von Georg Wilhelm von Weissensee) vermittelt den Zustand vor Abbruch des Schenkenhofes, der bis 1850 die Lücke (heute Verloren Loch) zwischen der äusseren Markt- und der äusseren Schottengasszeile
ausfüllte und mit dem Spital zusammengebaut war.

Dendrochronologische Datierung: 1311, 1456, zwischen 1505 und 1515, 1506, 1650, 1774?, 1817, 1834.

Dokumentation: Dendrochronologischer Bericht vom 23.01.2001. Büro für Archäologie der Stadt Zürich, Dendrolabor, Zürich. Archiv des Amtes für Denkmalpflege. - Dendrochronologischer Bericht vom 17.12.1999. Büro für Archäologie der Stadt Zürich, Dendrolabor, Zürich. Archiv des Amtes für Denkmalpflege. - Dendrochronologischer Bericht vom 03.09.2001. Büro für Archäologie der Stadt Zürich, Dendrolabor, Zürich. Archiv des Amtes für Denkmalpflege. - Dendrochronologischer Bericht vom 10.04.2002. Büro für Archäologie der Stadt Zürich, Dendrolabor, Zürich. Archiv des Amtes für Denkmalpflege. - Ein Blick ins Paradies. Denkmalpflege im Thurgau 4. Frauenfeld 2003. S. 94-95.- Rückert, Alexander. Heiliggeistspital, Herberge und Siechenhaus. Soziale Einrichtungen. In: Vom Bodensee nach Bischofszell. Alltag und Wirtschaft im 15. Jahrhundert. Hg. Volkart, Silvia. Reihe, Der Thurgau im späten Mittelalter, Bd. 2. Zürich 2015, S. 177-181. - Bauernhausforschung im Kanton Thurgau. Grundlagenkartei. Verfasst von Erika Tanner, ca. 1986-98 (Amt für Denkmalpflege); mit weiterführenden Angaben. - Bridler, Theodor. Beiträge zur Geschichte Bischofszells. Lose Blätter aus der Vergangenheit unserer Stadt. (Separatdruck aus: Bischofszeller Nachrichten). Bischofszell 1926, S. 42-47, 50-51, 54-55. - Knöpfli, Albert. Geschichte des Heiliggeistspitals zu Bischofszell. Bischofszell 1937, S. 1-15, 120-121. - Stadt Bischofszell (Hg.). Bürgerhof. Altersheim Bischofszell. Bischofszell 2003. -Brandkataster Staatsarchiv TG.
Brandkataster
Kat.Jahr/Nr. Eigentümer (Uebernahme-Jahr) Bauperiode/Assekuranzwert/Hinweise

1808/17      Altbürger Verwaltung         1808       fl.  5'500      WH/Bekerey
.            .                            .          .               samt Reibe
.            .                            .          .               und
.            .                            .          .               3 Pressen M
.            .                            1818       fl.  6'500      Verbauung
.            .                            .          .               .
1821/17      Altbürger Verwaltung         .          .               .
.            .                            .          .               .
1851/17      Gemeinbürgerl. Verwaltung    1851       Fr. 16'970      WH M
.            .                            .          .               .
1862/17      Bürgerl. Spitalverwaltung    1862       Fr. 20'000      Spital/WH M
.            .                            1866       Fr. 36'000      § 22a und
.            .                            .          .               No.17a dazu
.            .                            .          .               .
1877/17      Bürgerliche Verwaltung       1877       Fr. 50'000      Spital/
.            .                            .          .               Wohnung/
.            .                            .          .               Waschhaus M
.            .                            .          .               .
1897/17      Bürgergemeinde B'zell        1897       Fr. 60'000      WH M
.            .                            1910       Fr. 75'000      ?
.            .                            .          .               .
1911/17      Bürgerliche Verwaltung       1911       Fr. 75'000      WH M
.            .                            .          .               .
1927/17      Bürgerliche Verwaltung       1927       Fr. 90'000      Bürger-
.            .                            .          .               spital M
.            .                            .          .               .
1947/17      Bürgerliche Verwaltung       1947       Fr. 90'000      .
.            .                            1951       Fr.308'000      .
.            Bürgerheim Bischofszell      1965       Fr.517'000      Bürgerheim
.            (nach 60)                    .          .               M
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